Jedermann sei untertan der Obrigkeit

(Römer 13,1)



In Römer 13,1 steht: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ Vorrangig erkenne ich, dass Obrigkeit mit Gewalt zusammenhängt und meine Beziehung zur Obrigkeit einzig und allein darin besteht, ihr untertan zu sein. Um dieses erfüllen zu können muss ich logischerweise wissen: wer ist Obrigkeit und was will Obrigkeit. Und da diese Aufforderung „Jedermann“ gilt, haben alle anderen ausnahmslos, auch der Obrigkeit untertan zu sein. Wenn ich nun „Jedermann“ fragen würde: „Wer ist in Deutschland Obrigkeit und was will Obrigkeit?“ hätte ich ein Problem; denn „Jedermann“ hätte viele Antworten bereit. Etwa Bundespräsident, Bundeskanzler/In, Bundesregierung. Klingt alles sehr gut, ist aber alles sehr falsch. Selbst für Bundespräsident, Bundeskanzler/In und Bundesregierung gilt Römer 13,1!

 

In Deutschland – einer Republik – ist das Volk die Obrigkeit. Und damit wäre die Frage nach der Obrigkeit geklärt. Müssen wir das ganze Volk befragen, um herauszufinden, was die Obrigkeit will? Im Prinzip ja; aber das ist bei einem 80millionen Volk sehr mühsam. Der Einfachheit halber hat das Volk einen Vertreter, den man befragen kann. Und das ist die Verfassung! Wegen des geteilten Deutschlands hat die Bundesrepublik keine Verfassung, sondern das Grundgesetz. Artikel 146 des Grundgesetzes besagt: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

 

Wenn ein Christ Römer 13,1 einhalten will, muss er zwingend den Willen der Obrigkeit kennen und das bedeutet, das Grundgesetz kennen! (Diese Tatsache wird wohl vielen der Heiligen nicht gefallen!)

 

Jetzt will ich einmal meine Äußerungen auf Richtigkeit überprüfen! „Prüfet aber alles.“ (1.Thes. 5,21).

 

Artikel 20 Absatz 2 GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Damit ist bestätigt, dass das Volk die Obrigkeit ist, denn es hat alle Gewalt über „Jedermann“.

 

Artikel 1 Absatz 3 GG: „Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“ Und damit ist bestätigt, dass auch Bundespräsident, Bundeskanzler/In, Bundesregierung, ja alle Staatsorgane am Grundgesetz gebunden sind und damit der Obrigkeit, dem Volke, untertan sind!

 

Nichts und niemand steht in Deutschland über dem Grundgesetz, so will es das Volk, die Obrigkeit. Und dieses und nichts anderes bestätigt Gott, der Herr: „Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.“ (Römer 13,1). Keine Obrigkeit ist von Gott nur geduldet, nein, sie ist verordnet! Wer Obrigkeit anders definiert weicht von Gottes Verordnung ab. Man kann sich zwar eine Obrigkeit so zurecht zimmern, dass man ein bequemes Leben führen kann; aber diese Obrigkeit ist nicht von Gott! Eine eigenmächtig ausgedachte Obrigkeit ist niemals von Gott, sie ist Pille-palle, also Unsinn!

 

Wenn Gott nun dieses verordnet, dann sollte es den Christen von besonderer Bedeutung sein! Und dennoch gibt es einen Absatz im Grundgesetz, den so manche Christen ganz bewusst und mit voller Überzeugung nicht befolgen. Und damit verachten und missachten sie eindeutig die vorgenannte Verordnung Gottes!

 

Aber vorab muss ich noch Artikel 20 Absätze 1 bis 3 GG nennen:

 

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“

 

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“

 

„Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.“

 

Und Absatz 4 ist der Absatz, den Christen nicht befolgen wollen: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

 

Mit „Ordnung“ sind die ersten 3 Absätze des Artikels gemeint.

 

Das „Recht zum Widerstand“ ist kein Wahlrecht! Es ist eine Pflicht! Dass es als Recht bezeichnet wird bringt zum Ausdruck, dass dieser Widerstand nicht strafbar ist.

 

Mit „Widerstand“ ist ein körperlicher Einsatz gemeint, also auch der Einsatz von Waffen. Bevor dieser gewaltsame Weg eingeschlagen wird, müssen andere Abhilfen vollends ausgeschöpft worden sein.

 

Wenn es um weltliche Belange geht sind Christen oftmals passiv. Mehrfach habe ich hierfür die Begründung gehört, dass wir das Ende der Welt kennen und ein Eingreifen im Ablauf des Geschehens sinnlos sei. Mit dieser Gesinnung kann ich mich nicht anfreunden. Hierin erkenne ich nicht den Willen Gottes. Zuvor habe ich von der Verordnung Gottes geschrieben, dass wir der Obrigkeit untertan sein sollen und dieses so ausgelegt, dass Christen sich aktiv, ja, wenn es zum gewaltsamen Widerstand kommt sogar aufopfernd, an der Erhaltung des Staates beteiligen sollen. Ein anderer Bibelvers fordert uns auf, an den weltlichen Dingen aktiv teilzunehmen und prägend einzuwirken. „Suchet der Stadt Bestes, […], denn wenn's ihr wohl geht, dann geht’s auch euch wohl.“ (Jer. 29,7). Stadt in diesem Bibelvers ist nicht gleichbedeutend mit einer heutigen Stadt. Stadt (Polis) war damals die Staatsform, so dass man durchaus Stadt mit dem heutigen Staat gleichsetzen kann.

 

In Jeremia 29,7 geht es Gott vorrangig darum, dass es den Gefangenen in Babel wohl geht und dieses bekommen sie nicht von Gott geschenkt, sondern er verknüpft es damit, dass sie sich aktiv daran beteiligen, dass es der Stadt wohl geht. Ausgerechnet für Babel soll das Beste gesucht werden. Durch die ganze Bibel hindurch ist Babel die widergöttlichste Stadt. Wenn es Jerusalem wäre, dann würde man doch gerne der Stadt Bestes suchen. Aber warum soll ausgerechnet für diesen gottesfeindlichsten Ort aller Zeiten das Beste gesucht werden? Ich habe nur eine einzige Erklärung. Gott will uns sagen, dass es auf der ganzen Welt zu keiner Zeit einen gottverdammten Ort gibt. Es gibt nirgends und niemals auf der Erde einen Ort, den Gott so sehr verdammt, dass Gläubige nicht in ihm leben dürfen oder nicht in ihm wirken dürfen. Babel ist der Ort der Gefangenschaft. Zur Befreiung kommt der Herr nach siebzig Jahren. Bis dahin sollen die Gefangenen sich weltlich einrichten (Jer. 29,5-7) und zum Besten (Frieden und Wohlstand) der Stadt aktiv (suchen!) beitragen. Die Gefangenen sind in Babel und sind von Jerusalem. Uns geht es auch so. Wir sind in der Welt; aber nicht von der Welt! Unsere Heimat ist der Himmel, der Ort bei Gott! Noch sind wir Gefangene auf Erden und bis der Herr kommt und uns aus dieser Gefangenschaft befreit und Heim holt, sollen wir uns weltlich einrichten und haben der Stadt Bestes zu suchen. Und damit ist hier ausschließlich der weltliche Bereich gemeint, denn in Jer. 29,5-7 ist keine Anweisung für geistliche Aktivitäten. Den Missionsbefehl finden wir an anderer Stelle. Nochmals: hier geht es um weltliche Aktivität, begleitet durch Gebet (Jer. 29,7). Und nun nochmal ganz deutlich: Es geht nicht um alleiniges Gebet, sondern um weltliche Aktivität, begleitet durch Gebet. Zuerst kommt die Aufforderung zur Aktivität und dann anschließend mit „und“ verbunden die Aufforderung zum Gebet. Das verstehe ich so: Nicht Gebet allein; aber auch nicht Aktivität ohne Gebet!

 

Dieses Prinzip hat heute immer noch Gültigkeit. Es geht vielen Menschen nicht wohl in unserem Land. Mein Rückschluss ist, es kommt daher, dass die Menschen hierzulande träge, passiv sind und nicht mehr der Stadt Bestes suchen (sondern nur ihr eigenes Bestes). Zum Beispiel: Es gibt in Deutschland 300.000 Haushalte, die keinen Zugang mehr zu Energie haben, denen Strom und Gas abgeschaltet wurde. Wie viele Menschen mögen in 300.000 Haushalten wohnen? Und wie sehr müssen diese Menschen im Winter frieren – und wie bekommen sie eine warme Mahlzeit zubereitet? Ja, wir Christen kennen das Ende der Welt; aber ist ein Eingreifen im Ablauf des Geschehens wirklich sinnlos? Macht es nicht Sinn, der Stadt Bestes zu suchen und damit den Bedürftigen zu helfen, damit es ihnen wohl geht, wie es sich Gott, der Herr, wünscht? Denkanstoß: Matth. 25,40.45: „... das habt ihr mir getan / … das habt ihr mir auch nicht getan.“

 

Fallen ist menschlich, aufstehen ist göttlich, liegen bleiben ist teuflisch! Ja, ich stimme dem zu, dass der Fürst der Welt, der Teufel, in die Welt gekommen ist. Wenn aber Christen diese Erkenntnis zur Begründung nehmen, sich nicht am politischen Geschehen zu beteiligen, dann missachten sie erstens Gottes Anordnung der Stadt Bestes zu suchen und zweitens bleiben sie liegen und das ist ja bekanntlich teuflisch. Es hat meines Erachtens keinen Platz im christlichen Glauben. Wohl in mancher Religion, da bezeichnet man dieses Verhalten als Kismet, sich dem Schicksal hingeben/ergeben! Jesus sagt aber: „und hat nichts an mir“ (Joh. 14,30). Wenn der Fürst der Welt nichts an Jesus hat, sollte er dann etwas an Christi Jünger haben? Im Idealfall würde ich hierauf antworten: „Nein, gar nichts!“

 

Ich habe schon mehrfach der Stadt Bestes gesucht. Meistens im Sammeln von Unterschriften. Als Beispiel nennen ich die Unterschriftensammlung für die Transaktionssteuer. Diese Steuer hätte weltweit 500.000.000.000,00 Euro jährlich einbringen können und sollte etliche millionen Menschen jährlich vor dem Hungertod retten. Weltmenschen haben gerne unterschrieben, die Christen waren mehr als zögerlich. Die christliche Nächstenliebe hat sich wohl zu der Zeit gerade versteckt. Kann ja mal vorkommen!

 

Als nächstes große Ereignis habe ich Unterschriften gegen den Europäischen-Stabilisierungs-Mechanismus (ESM) gesammelt. Eigentlich ist der ESM ein Europäischer-Schulden-Mechanismus, der die europäischen Völker auf Ewigkeit (so will es zumindest das verfassungswidrige „ESM-Gesetz“) zu Bankschuldnern und damit zu Sklaven macht. Weltmenschen haben gerne unterschrieben, die Christen waren mehr als zögerlich. Die christliche Nächstenliebe und die Eigenliebe (Galater 5,14) haben wohl gemeinsam „Verstecken“ gespielt. Kann ja mal vorkommen! Was nicht vorkommen wird ist, dass Armut und Hunger sich verstecken! Und was hätte die Weisheit bei Anwesenheit zu den Christen gesagt? Ich rate mal: „Man muss nicht wie blöd ins Unheil rennen, man kann es auch abwehren!“

 

Als Kaufmannsgehilfe ist mir die Aussage „Das rechnet sich nicht!“ sehr gut bekannt. Um es einfach auszudrücken, dieses bedeutet, wenn man vorne einen höheren Wert hineinsteckt als hinten heraus kommt, dann hat es sich nicht gerechnet, man hat drauf gezahlt. So geht es mir mit der Rundfunkzwangsabgabe. Eine Klage dagegen rechnet sich nicht für mich; die Kosten, die ich vorne hineinstecke, könnten höher sein, als der monetäre Vorteil, der hinten für mich herauskommen könnte. Aber dennoch lohnt sich die Klage; denn ich erfülle damit sowohl Gottes Anordnung, der Obrigkeit untertan zu sein, als auch Gottes Anordnung, suchet der Stadt Bestes.

 

Mit der Rundfunkzwangsabgabe wird es unternommen, den demokratischen und sozialen Bundesstaat zu beseitigen. Erstens, weil es ein Zwang ist, das deckt sich nicht mit der (Wahl)-freiheit in einer Demokratie. Zweitens, weil der Beitrag für den sozial Benachteiligten genau so hoch ist, wie für den Superreichen. Das ist nicht sozial.

 

Eine Klage gegen die Rundfunkzwangsabgabe ist eine „andere Abhilfe“ gegen die Beseitigung des demokratischen und sozialen Bundesstaats. Diese Klage ist ein Recht (eine Pflicht) nach Artikel 20 Vers 4 des Grundgesetzes für alle Deutschen. Und weil es damit der Wille der Obrigkeit ist, bedeutet für Christen die Klage auch eine Einhaltung der Verordnung Gottes gemäß Römer 13,1.

 

Nebenbei bemerkt: Bei einem Widerstand mit körperlichem Einsatz werde ich nicht dabei sein. Das überlasse ich jene, die bei der „anderen Abhilfe“ nicht dabei waren. Wenn die große Volksmasse sich geschlossen und rechtzeitig für „andere Abhilfe“ entscheidet, wird es niemals zu einem Widerstand mit körperlichem Einsatz kommen!

 

Soziale Ungerechtigkeit ist meistens der Auslöser für Unruhen, Revolten, Aufstände und sogar Bürgerkriege. Soziale Ungerechtigkeiten zu verhindern erhält den inneren Frieden eines Landes und damit erfülle ich mit meiner Klage gegen die Rundfunkzwangsabgabe auch Jeremia 29,7, suchet der Stadt Bestes, sucht den Frieden.

 

Wer meine Auslegung nicht nachvollziehen kann oder nicht nachvollziehen will oder die Richtigkeit anzweifelt, dem sei zum Trost gesagt: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus!“ (Apg. 16,31). Die Gewissheit der Erlösung bleibt auch jenen erhalten, die sich dem Untertansein der Obrigkeit anders zurecht zimmern und sich für der Stadt Bestes suchen eine bequeme Suchart ausdenken.

 

Zum Schluss noch einen unliebsamen Gedanken. Besonders „heilige“ Christen wollen alles weltliche meiden und sich da heraushalten. In geistlichen Angelegenheiten ist Absonderung absolut richtig! In weltlichen Angelegenheiten ist Absonderung eben so absolut unmöglich; denn Gott hat uns mit der Verordnung aller Obrigkeit ausnahmslos in die Obrigkeit eingebunden! Wir sind Teil der Obrigkeit und damit ist es widergöttlich, wenn wir uns von weltlichen Rechten und Pflichten absondern; aber es ist Gottes Wille, die Welt im christlichen Sinne zu prägen!

 

Dieses alles gilt nur für Deutschland. In anderen Ländern kann und wird es auch andere Obrigkeiten geben. Wer sich in Deutschland von der Welt absondern will, muss aus der Obrigkeit ausscheiden, das heißt, seine Staatsbürgerschaft abgeben!





Autor: Ron d. S., November 2013



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